Mittwoch, 27. Oktober 2010

[Rezension] Die Entdeckung des Sonnenaufgangs von Walter Veltroni

An dieser Stelle vielen Dank an den Klett- Cotta Verlag für dieses Rezensionsexemplar.


Genre: Familie
Verlag: Klett- Cotta Verlag
ISBN: 9783608937046
Seiten: 155
Preis: 17,95 €













Zum Buch:
Giovanni ist Mitte vierzig, als seine Frau mit den zwei Kindern in den Urlaub fährt. Er nutzt die Zeit, um die Orte seiner Kindheit aufzusuchen und nach dem Grund für das Verschwinden seines Vaters in seiner Kindheit zu finden. Als er sich in ihrem alten Haus umschaut, hat er die Idee, seine alte Telefonnummer anzurufen. Als jedoch abgehoben wird, kann Giovanni nicht glauben, wer ihm dort antwortet.

Erster Satz:

Heute ist es ein eher schlichter Sonnenaufgang.


Meine Meinung:
Zu Beginn konnte ich mich überhaupt nicht in das Geschehen hineinfühlen. Es wird begonnen mit ein wenig philosophischen Gerede über Sonnenaufgänge und plötzlich geht es um die Tochter, die am Down- Syndrom leidet. Zwar alles wirklich interessant beschrieben, aber irgendwie ohne einen erkennbaren roten Faden. Mit der Zeit wurde es jedoch besser, obwohl mir noch nicht ganz klar ist, inwiefern die beiden Handlungstränge zusammen passen.
Zwar sind es beides Familienschicksale - der Vater verschwindet, das Kind ist schwer krank- aber an sich ist das eine ein wenig mehr wie ein Krimi beschrieben, während der andere Teil doch eher ein wenig nachdenklich macht. Für mich wäre es besser gewesen, nur eine der beiden Handlungen zu verfolgen, und diese dafür ausführlicher. Zwei so gewaltige Themen auf knapp 150 Seiten verpacken zu wollen, halte ich für sehr gewagt.
Zum, wie ich finde, Krimiteil des Buches. Ich hoffe, das ich jetzt nicht zu viel verrate, aber ich fand diese Idee einfach so ungewöhnlich und gut, dass ich finde, wenn ich sie hier nicht miteinbeziehe, es das gesamte Buch in einem falschen Licht erscheinen lässt. Als Giovanni in seinem alten Haus seine alte Nummer wählt, hebt niemand geringeres ab, als er selbst, wenige Tage vor dem Verschwinden seines Vaters. Bis zu der Stelle fand ich das Buch mittelmäßig bis gut. Es hat mich selbst überrascht, wie eine einzige Idee, die gesamte Spannung nach oben reißen kann. Dadurch, das Giovanni mit sich selbst telefoniert, erhält er einen ganz neuen, erwachsenen Überblick über das Geschehen. Es geht um Terroristen, Mord, Freundschaft und auch Feindschaft. Ich hätte mir gewünscht, das gesamte Buch würde davon handeln. Aber da gibt es ja noch die Familie in der Gegenwart. Giovanni und seine Frau haben sich entfremdet. Seit der Geburt ihrer Tochter, die an dem Down- Syndrom leidet, leben die beiden nur noch nebeneinander her. Der ältere Bruder kümmert sich rührend um seine kranke Schwester, was Giovanni sehr freut. Das war es eigentlich schon zur Handlung der Gegenwart. Natürlich gibt es da noch die Reise und die Briefe des Sohnes an seine Vater Giovanni, aber so wirklich interesiert ihn das zu dieser Zeit nicht, da er grade das Geheimnis des Telefons herausgefunden hat und mit Wichtigerem beschäftigt ist. Das Gefühl hat übrigens nicht nur der Charakter sonder auch ich hatte das Gefühl, dieses Nebengeplänkel jetzt ausblenden zu müssen um mich auf das Spannende- den verschwunden Vater- konzentrieren zu können.
Meine Meinung über diesen Roman ist ein wenig zwiegespalten. Für mich passen die beiden Handlungstränge einfach nicht wirklich zusammen und ich wäre wahrscheinlich glücklicher mit nur einem der beiden Themen gewesen. Eben lieber ein bisschen weniger Themen dafür mehr eigentliche Handlung. Um noch etwas zum Schreibstil zu sagen, fällt mir eigentlich nur eins ein- außergewöhnlich. Eine Mischung aus detaillierter Beschreibung mit einem Hauch von Minimalismus. Aber eine wirklich gelungene Mischung. Gut gefallen haben mir die immer wiederkehrenden Beschreibungen des Sonnenaufgangs. Für mich das Highlight des Buches.

Fazit: Interessante Idee und schöner Stil- nur leider ein wenig zu viele, nicht zueinanderpassende, Handlungstränge für meinen Geschmack.

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